Mein Ostern

Euphorie. Tiefe Freude. Immense Dankbarkeit. Lachen. Liebe. Ich wache am Ostermorgen auf und spüre all das. Mir kommen die Tränen, als mir meine Mama per WhatsApp eine Sprachnachricht schickt und ich darin die „Morgenstimmung“ von Edvard Grieg vernehme. Damit sind wir als Kinder an Ostern immer geweckt worden – die sanften, wohl gewählten Klänge erwärmen mein Herz. Meine Mama werde ich heute an Ostern nicht umarmen können.

Ich feiere Jesus‘ Sieg über den Tod, in einer Zeit, in der wir täglich Statistiken über Todesfälle sehen. Ich feiere den Hoffnungsträger, während viele Menschen ihre Hoffnung verlieren. An Ostern 2020 ist alles so nah beieinander. Genauso wie meine Emotionen. Ich spüre beides. Ehrlich. Emphatisch. Doch ich kenne den Gewinner, den der Tod nicht angreifen kann. Der Leben schenkt, weil er Leben ist. Ich entscheide mich an diesem Morgen für die Dankbarkeit, das Lachen, die Liebe.

Mit dieser Freude starte ich in den Tag. Aber schon bei den ersten Begegungen mit Freunden und Familie bemerke ich, dass die Intensität meiner Emotionen meist nicht gleichermaßen mitgetragen werden kann. Mein Gegenüber hat sich anders entschieden. Bringt Freude anders zum Ausdruck. Erlebt eine andere Gewichtung. Kennt Jesus nicht. Mit diesen Begegnungen beginnt auch meine Freude zu schwinden. Auf Nachfrage wie es mir geht, entgegne ich, dass ich mich gesegnet fühle. Mit dem was ich habe, mit dem wie Gott mich versorgt. Ja, ich könnte auf die Dinge blicken, die schwer sind, strapazieren. Doch ich habe mich entschieden: Für die Dankbarkeit. Aber dann kommt Neid. „Das hätte ich auch gerne“, sagt mir jemand und plötzlich bricht ein erneutes Stück Freude ab. Habe ich mich falsch entschieden? Darf ich gerade nicht glücklich sein?

Es sollte nicht mein Ziel sein, meine eigene Freude mit der des anderen zu bestücken.



Ich neige als hochsensible Person dazu, Emotionen tief und tiefer zu erleben und bin schnell und häufig irritiert und betrübt, wenn sie so nicht geteilt werden kann. Nachdem ich also heute, am Ostersonntag immer wieder Begegnungen habe, die mir unbewusst oder bewusst ein Stück meiner Freude rauben, begann ich darüber nachzudenken, warum das so war. Und ich begriff, dass es nicht mein Ziel sein sollte, meine eigene Freude mit der Freude des anderen zu bestücken. Im Gegenteil: Ich freue mich, um anderen davon zu geben. Im Umkehrschluss heißt das, dass ich darin gefestigt sein sollte. Sicher in meiner persönlichen Freude. Bereits komplett erfüllt von dem Grund dafür. Bin ich das nicht, wird immer wieder ein bisschen abbrechen, sowie ich keine Bestätigung erhalte oder ich mir das alles anders vorgestellt habe.
Also zog ich mich zurück. Blickte nur auf Jesus und auf mein Herz und feierte mein Ostern. Ich erinnerte mich an die Begegnung von Maria und Jesus, als sie ihn nach der Auferstehung nicht erkannte. Doch als er ihren Namen sagte „Maria!“ „Da wendete sie sich um und spricht zu ihm: „Rabunni.“ (Johannes 20:16) Ganz persönlich. Der Klang seiner Stimme während er ihren Namen sagt, kommt ihr bekannt vor. Da war eine Beziehung. Die ist in dem Moment wieder belebt und Marias Herz erlebt einen Grund für tiefe Freude.

Ich möchte Jesus meinen Namen sagen hören. Ich möchte nicht die Masse sein, nur ein „du“ aus vielen. Meinen Namen. Ich stelle mir vor, wie Maria völlig perplex und trotzdem so freudig zu den Jüngern ging und „ihnen verkündete, dass sie den Herrn gesehen hat“. (:18) Nach der ganzen Vorgeschichte kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass sie ihr alles sofort geglaubt hatten und ihre Freude mit ihr teilten. Doch ich glaube, das war Maria erstmal egal. Sie war erfüllt. Sie wusste, was sie sah und sie war überzeugt. Zufrieden. Voller Freude.

Heute will ich mein Ostern feiern. Persönlich und ohne das Bedürfnis zu meiner Freude etwas hinzufügen zu müssen. Sie ist so komplett: Jesus und ich.

In der Zeit des Rückzugs habe ich einen Vierzeiler geschrieben, den du personalisieren darfst. Fülle in die Lücke der letzten Zeile deinen Namen ein und feiere damit ruhig dein eigenes, erfülltes Ostern. Der Herr ist auferstanden – und er kennt deinen Namen.

Bei meinem Namen rufst du mich
An deiner Stimme erkenne ich dich.
Mit sanften Worten entgegnest du mir 
“_____________ , ich – bin – hier.”

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