Und die Sonne scheint

Als ich heute morgen aufwachte, scheinte durch den kleinen Spalt der Jalousie die Sonne durch. Das Zimmer war schon etwas hell und der Stadtlärm bleibt uns durch das Fenster zum Hinterhof morgens fern. Es zwitscherte ein Vögelchen und man konnte nur erahnen, wie warm es draußen wohl sein würde.
Alles ruhig. Alles friedlich. Beinahe nicht auszudenken, dass sich die Welt im selben Moment im Ausnahmezustand befindet.

Ich gerade auf dem Weg zur Uni. Da rief mich mein Mann an und sagte mir in einer aufgeregten Stimme „Geh wieder heim, die Unis sind zu. Ungarn hat den Notstand ausgerufen.“ Als ich seine Stimme hörte und er mir von einer unbekannten Situation erzählte, kam in mir sofort Panik hoch und mir stiegen Tränen in die Augen. Ich wusste nicht, was das bedeutet, als mich diverse WhatsApp-Nachrichten erreichten, ob ich die News schon gehört hätte. Ohne einen für mich erklärbaren Grund fühlte ich mich vom einen auf den anderen Moment verloren, außer Gefecht gesetzt und hilflos.

Die schnellen Veränderungen. Die vielen Fragen und die Unsicherheit. Auf einmal ist jedem klar, dass man nicht weiß, wie das Morgen aussehen wird und man erkennt seine Abhängigkeit von Umständen und Entscheidungen anderer, die man nicht beeinflussen kann.


Meine Hochsensibilität dient mir in einer Zeit wie dieser.


Flug, Zug und Bahn gestrichen, Unis und Schulen geschlossen, panische Hamstereinkäufe. Es werden Grenzen gezogen und den Menschen versetzt das in eine Ausnahmesituation, obwohl ihm tatsächlich jeden Tag Grenzen gezogen sind. Doch jetzt sind sie sichtbar. Jetzt ist diese „Endlichkeit“ greifbar. Eine hochsensible Person erfasst eine solche Atmosphäre leichter und lässt sich davon mitreissen. Die vielen, vielen Schlagzeilen stiften schnell innere Unruhe. Obwohl auch ich schnell mitgerissen werde und mich leicht in Panik versetzen lasse, kann ich in vielen Dingen ruhig bleiben. Fünf Punkte, warum das so ist.

1. Mir dient meine Empathie. Als hochsensible Person versetze ich mich leicht in andere Menschen und erkenne in dieser Zeit das Wohlwollen hinter den Entscheidungen der Politiker und Veranstalter und das akribische Suchen nach einer Lösung. Meine Empathie ermöglicht mir Dankbarkeit.

2. Mir dient mein Drang nach Rückzug. Dass Events abgesagt werden und Menschenmassen vermieden werden sollen, schafft in meinem Alltag tatsächlich kaum einen Unterschied: Events besuche ich aufgrund von Lärm und Masse selten, viele Menschen meide ich wegen der Überreizung sowieso. Ich bemerke sogar, dass die Gesellschaft diesbezüglich sehr entschleunigt. Auch von zuhause zu arbeiten tut mir immens gut, meine Kreativität wird angeregt und ich arbeite effektiver.

3. Tiefe Gedankengänge sind mir nicht neu. Viele beginnen sich inmitten dieser Situation mit ihrem Mensch-Sein auseinander zusetzen und bemerken während einer Krise ihre Vergänglichkeit. Das muss hart sein und kann schnell aus der Fassung bringen. Doch für mich als hochsensible Person sind Gedanken um Endlichkeit, Tod und dem Leben nach dem Tod Fragen, die mich schon seit meiner Kindheit und Jugend begleiten. Gedanken über das Morgen und das Gestern denke ich weit über mein eigenes Leben hinaus und werde damit zwar nun einmal mehr konfrontiert, empfinde es aber nicht als überfordernd.

4. Meine Umsichtigkeit war bereits da. Jetzt, wo es allen dient, müssen einige erst auf Umsichtigkeit und Achtsamkeit aufmerksam gemacht werden. Ich lebe meinen Alltag jedoch längst umsichtig. Plane im Voraus, kalkuliere Umwege ein, habe einen Überblick. Was oft eine Last ist, kann mir plötzlich sehr helfen.

5. Mein lebendiger Glaube an Jesus.* Wir sind momentan als Individuen einer Gesellschaft enorm gefordert, zusammen zu arbeiten. Uns gegenseitig zu ermutigen ruhig zu bleiben, sich nicht von News in Panik versetzen zu lassen und in allem nicht vergessen, zu genießen, was es zu genießen gibt. Die Bibel schreibt über Jesus als Friedensbringer, als die Liebe und die Hoffnung selbst. Ich glaube das und bin auf einer tiefen Ebene mit enormer Zuversicht und Freude erfüllt. In dieser Dimension ist das die Gabe einer hochsensiblen Person, da bin ich mir sicher.

Ich weiß, dass diese Pandemie einige Menschen durchaus auch Leid zufügt. Das will ich nicht abtun. Dass auch eine hochsensible Person Sorgen und Ängst empfinden kann und erstmal gar nichts positives darin sieht, ist völlig nachvollziehbar. Mit diesem Blogeintrag will ich auf die vielen Vorteile hinweisen, die uns als hochsensible Person in dieser Zeit begegnen können. Sodass wir uns und anderen dienen, sobald wir darum wissen und die Sonne weiterhin scheinen kann.



* Dass HSP zu „spiritueller Wahrnehmung“ neigen, steht so in vielen Büchern, jedoch zitiere ich es nur ungern. In meinen Augen steht hochsensiblen Personen eine riesige Tür offen, durch ihre sensible Wahrnehmung mit ihrem Schöpfer dem dreieinigen Gott, eine viel emotionalere Ebene der Verbundenheit zu erleben. „Spiritualität“ ist ein Wort, das keinem auf dem Fuß tritt, weil es alle Religionen und Glaubensrichtungen umfasst. Ich erlebe jedoch, dass nur bei Jesus die gute, liebende Wahrheit zu finden ist, die jedes Herz sehnsüchtig braucht. Auf diese Wahrnehmung allein will ich deuten. Und trete dabei möglicherweise auf den Fuß. 🙂

Ein Kommentar zu „Und die Sonne scheint

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