Hi, ich bin zurück.
Warum ich mich so lange nicht gemeldet habe, liegt unter anderem an meiner kaputten Leertaste, die diesen Blogeintrag zu einer anstrengenden Sache macht, aber auch daran, dass ich geheiratet habe.

Ich war lange im Zwiespalt, dieses einzigartige Ereignis mit der Welt zu teilen oder eben nicht, aber es steckt dann einfach doch zu viel Zauber und Segen darin, als es nur für sich und ein paar Bilderrahmen aufzubewahren.

In den kommenden Posts möchte ich also erzählen, von der kleinen Reise, an deren Ende (oder Anfang) ich nun einen neuen Namen trage. Denn diese schöne Zeit der Vorbereitung, des Planens, Organisierens, Gestaltens und Realisieren war genauso geprägt von Überforderung, Angst, Trauer, Unsicherheit und Sorgen.
Ich begann diesen Blog zu schreiben, weil ich ehrlich und transparent vom Leben berichten möchte, um meinen Lesern die Chance zu geben, sich ok zu fühlen und bestätigt zu werden: Im Mensch-Sein.

Ich möchte also ganz vorne anfangen zu berichten und blicke dabei so weit auf eine Zeit zurück, in der ich oft frustriert, fragend und enttäuscht in meiner kleinen Wohnung in meinem roten Sessel, mit einer Tasse Tee aus dem Fenster schaute. Da kannte ich ihn noch nicht, meinen Ehemann, und ich glaubte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich auch nicht daran, dass es den Einen für mich überhaupt geben könnte.
Mein Herz war schon immer voller Träume. Es fiel mir schon immer leicht Ziele zu stecken und echte Freude dafür zu empfinden – meine Tagebücher sind voll davon. Der Traum zu heiraten lässt sich bereits auf den ersten Seiten finden. Als ich 12 war, schrieb ich sogar selbstsicher eine Liste mit Eigenschaften, die mein Mann einmal haben sollte. „Heiraten spielen“ war immer attraktiv und meine Eltern dabei zu beobachten, wie sie ihre Ehe lebten, hat mich begeistert.
Als ich jedoch nach so einer großen Vorfreude dann mit 24 ohne Partner in meinem roten Sessel, mit einer Tasse Tee aus dem Fenster schaute, hatte sich die Euphorie längst in Frust verwandelt und mein Frust in Tränen. Und ich beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Einige Zeit später gingen meine Mitbewohnerin und ich eines Abends in die Kneipe um’s Eck. Eigentlich kein Ort für mich: Die Leute standen dicht gedrängt in dem kleinen Schuppen, es war dunkel, nur quietschbunte Lichtstreifen trafen hin und wieder die Silhouetten. Die Geräuschkulisse war laut, man schrie sich an, um sich unterhalten zu können. Nach einiger Zeit ergatterten wir einen Sitzplatz und mir war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon längst nicht mehr danach, zu bleiben. Aber meine Motivation war der Frust, die Wut und die mir selbst zugesprochene Sicherheit, zu wissen, was mir gut tut. Wir tranken und irgendwann waren mir die Geräusche und die Leute egal.
Die Zeit war fortgeschritten und da setzte sich ein Typ zu mir. Er war mit Freunden da, die die Stadt besuchten. Er war mir sympathisch und ich ihm anscheinend auch. Er saß nah bei mir. Das war mir unangenehm. Aber ich hatte mir ja schließlich eingeredet, dass ich diese Partner-Sache selber lösen könnte. Meine Mitbewohnerin war zu diesem Punkt bereits gegangen und ich ärgere mich bis heute, dass ich nicht mit ihr mit bin. Der Alkoholpegel stieg und ich befand mich in einer Situation die meinem Wesen, meiner Überzeugung und meiner Persönlichkeit nicht entsprach. Aber ich wehrte mich dagegen erfolgreich – wir kamen uns nah. Viel zu nah.

Aber es hatte mich die Ungeduld gepackt.

Ich weiß, dass ich mit dieser Einstellung, bzw. Lebensweise in unserer Gesellschaft eine Minderheit bin (Was mich zutiefst traurig stimmt). Aber diese Nähe, die ich diesem fremden Typen schenkte, war eine Nähe, die ich nach einer bewussten Entscheidung eigentlich nicht irgendjemandem schenken wollte. Denn ich weiß um meinen Wert und der Verschwendung von wertvoller Intimität, gleichsam der Einladung für tiefe Verletzung, hätte ich diesen Wert x-beliebig geteilt. Aber an diesem Abend hatte ich es x-beliebig geteilt – und ich würde die Zeit gerne zurückdrehen.

Ich gab viel von mir her und erhielt dafür nichts. Der Kontakt hielt natürlich nicht, die Blase platzte und fand mich in meinem roten Sessel wieder. Der einzige Unterschied: Ich saß da, mit einem Stück weniger Herz. Das hatte dieser Kerl mit nach Hause genommen und nicht wertgeschätzt. Ein Stück Herz, dass ich eigentlich aufheben wollte, um es mal jemandem komplett zu geben. Aber es hatte mich die Ungeduld gepackt.

Und dann, nur einen Monat später lernte ich ihn kennen.

Heute blicke ich aus der Vogelperspektive auf diese Zeit und kann meinen Ärger über mich nicht verbergen. Vier kurze Wochen nach meiner kläglich gescheiterten Annahme zu wissen, was mir gut täte, lerne ich diesen fantastischen Mann kennen.
Der mich wertschätzt, wie es noch nie ein Mann zuvor tat. Der Interesse an meiner Person zeigt, wie ich es in keinem Tagebucheintrag hätte erträumen können. Der mich zum Lachen bringt und nur Gutes für mich möchte, dem ich mir anvertrauen kann. Dem ich nicht mein ganzes Herz schenken konnte. Der heute mein Mann ist.

Ich will dich mit dieser Geschichte an deinen Wert erinnern und dich im Vertrauen ermutigen. Vertrauen über jede Sache. Schon morgen könnte es anders sein.
Ich spreche dir voller Sicherheit zu: Du bist gesehen. Ich war auch gesehen. Obwohl ich Gott in dieser Zeit kein Vertrauen schenkte, spürte ich seine Hand über mir. Er hat mir vergeben. Und mich in kürzester Zeit später überreich gesegnet.

Ich ermutige dich, zu vertrauen.

Foto: Tami Donath, www.herzbeschwipst.de

Welcher Inhalt interessiert dich zum Thema meiner Hochzeit?
Schreib‘ es doch in die Kommentare!

2 Kommentare zu “Vertraue.

  1. Danke für diesen schönen und ehrlichen Blog Beitrag!
    Es ist ermutigend zu lesen, dass auch andere junge Menschen ihre Werte tief verwurzeln und nicht nur an Oberflächlichkeiten festkleben.
    Alles Gute euch zu eurer Hochzeit und für die Ehe.

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    • hellomilli

      Liebe Michelle, ich hab‘ mich sehr über deinen Kommentar gefreut! Danke 🙂 Würden dich mehr Posts mit Inhalt „Überzeugung“ und „Werte“ interessieren?
      Viele Grüße!

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