Hochsensibilität im Alltag

Wind und Wetter

Sonntag. 22 Grad, Sonne, klarer Himmel. Die Vögel zwitschern den Frühling herbei, ich greife zum T-Shirt und lasse den Pulli links liegen. Die aufgehende Helligkeit am Morgen gibt Energie und wenn sie abends wieder vergeht, wird auch der Körper langsam müde. Ein Tag im Einklang mit dem Wetter.

Montag. 7 Grad, Regen. Mitten in der Nacht noch das Fenster zugemacht, weil es zu kalt wurde und mit einer griesgrämigen Stimmung aufgewacht. Irgendwo hab ich doch den Pulli hin… Der Himmel ist morgens um 9 grau, nachmittags um 2 auch und um 7 Uhr abends ist er noch ein bisschen grauer. Ein Tag voller Lust- und Antriebslosigkeit und Mangel an Motivation.

Mit neuen Bedingungen überfordert

In meinem Elternhaus habe ich diesen Zustand als „empfindlich gegenüber Wetterumschwüngen“ kennengelernt, heute lernte ich den Begriff der „Wetterfühligkeit“. Ein kaum erforschtes Phänomen, das sich durch unspezifische Symptome bemerkbar macht. Bei bereits erkrankten Personen können sich Symptome verschlimmern (Migräne, Rheuma). Öfter erlebt werden eben schlechte Laune, Antriebslosigkeit und Kopfschmerzen.
Normalerweise passt sich der Körper einem Wetterwechsel ganz automatisch an und wir bekommen davon nichts mit. Wenn ein solcher Wechsel aber oft und drastisch passiert, ist der ein oder andere sensible Organismus mit den neuen Bedingungen überfordert und kann sich nicht schnell genug anpassen.

„Überforderung“ – das kommt uns bekannt vor, oder? Ich kann mir zwar auch vorstellen, dass Normalsensible Wetterfühligkeit empfinden, nehme aber an, dass vor allem sensible Menschen, die allgemein zu Überforderung neigen, Wetterfühligkeit nachvollziehen.
Es geht etwas zu schnell und die damit einhergehende Veränderung ist zusätzlich sehr stark: Eine hochsensible Person kommt an ihre Grenzen.
So wie mir die Sonne doppelt und dreifach viel Energie gibt und mich der Regen tiefer beruhigt und entschleunigt, so weiß mein Gemüt nichts mit einem heftigen Wechsel des Wetters anzufangen.

Jetzt weißt du vielleicht deinen Zustand in Worte zu fassen, kannst getrost glauben, dass das wahr ist, was du spürst und gewiss sein, dass es anderen auch so geht. Aber wie geht man nun damit um?
Ein Tipp ist es, sich bei Wind und Wetter vor die Tür zu wagen, um den Körper abzuhärten. So lernt der Organismus sich an Temperaturänderungen anzupassen und kann diese dann besser auszugleichen.
Ein anderer: Sich durch den Tag beißen und sich dann selbst etwas Gutes tun. Wenn die Umstände keinen Grund für Motivation bieten, dann muss ich sie mir selber schaffen; wie zum Beispiel eine Belohnung am Abend in Form eines Films oder eines guten Essens. An einem warmen Tag ein Eis, an einem kalten Tag auch ein Eis (Eis geht nämlich immer) oder einen guten Wein (geht auch an warmen Tagen).

Zwei Wünsche

Denn Wetterfühligkeit ist real. Was du da fühlst, dieses Chaos, ist real. Manche mögen diese Symptome als unwahr abtun oder sie als nicht wichtig erachten. Deswegen erhoffe ich mir nach diesem Blogeintrag zwei Dinge:

  • Für Menschen, die Wettersensibilität nicht nachempfinden können wünsche ich mir Verständnis und Interesse an den Gefühlen der Sensiblen
  • Für die Wettersensiblen: Teile dich mit, fasse deine Empfindung in Worte und sei einmal mehr gewiss: Du bist okay.

4 Kommentare zu “Wind und Wetter

  1. Danke, obwohl ich davon wusste, sehe ich mich jetzt in dieser Sache klarer!

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  2. Wow ich fühle mich grade in so vielem so verstanden! Danke dafür!

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