Hochsensibilität im Alltag

10 Tipps und Tricks

Natürlich bin ich längst kein Meister im Leben leben. Ich komme an Grenzen, höre nicht auf meinen Körper, wage zu viel oder zu wenig.
Trotzdem gibt es viele Dinge, die ich gelernt habe und die mir helfen, mich als hochsensible Person anzunehmen und meine Eigenschaft als Schatz zu sehen. Ich will dir hier einige davon auflisten, in der Hoffnung, sie helfen auch Dir!

Nein sagen

Puh, heißes Eisen! „Nein“ zu sagen ist eine der Charakterstärken schlechthin und die meisten von uns müssen diese erst lernen; ich auch. Gerade für Hochsensible ist „Nein sagen“ harter Tobak, weil man damit erstmal abweisend wirkt und das Disharmonie mit sich bringen könnte. Aber: Es befreit, denn ich stecke mir damit meine persönlichen Grenzen ab. Die habe nur ich und ich muss sie meinem Gegenüber erklären. Deswegen ist es so wichtig, sich diese Stärke anzueignen!
Was ich außerdem gelernt habe: Es ist zwar eine Stärke Nein zu sagen – es erfordert eben aber auch die Stärke ein Nein zu akzeptieren. Das bedeutet, dass beide Seiten in der jeweiligen Situation gefordert sind richtig zu reagieren, was mir die Verantwortung für das Wohl des anderen nimmt. Entgegnet einer hochsensible Person ein „Nein“, fühlt sie sich schnell ungeliebt und nimmt es persönlich. Das musste ich mir schlicht und ergreifend abtrainieren, denn es entspricht nicht der Wahrheit.

Hochsensibilität als Stärke sehen

Wenn man in Büchern, Magazinen oder in Erlebnisberichten von Hochsensibilität hört, dann ist das erstmal eine Ladung negativer Eigenschaften. „Schnell überfordert“, „Rückzug“, „schlecht Entscheidungen treffen“, „große Gruppen sind anstrengend“. Ich finde das gilt es zu überholen. Ich habe für mich entschieden, alles was meine Hochsensibilität mit sich bringt, neutral oder als eine Stärke anzusehen:
Ich kann viel tiefer mit Menschen über Wesentliches reden und das ist in unserer Gesellschaft eine Seltenheit.
Ich bemerke kleine Details und kann mir und anderen auf besondere Art und Weiße eine Freude machen.
Ich kenne mich gut, da es wichtig ist, die Kommunikation meines Körpers zu verstehen. Ich musste lernen, mich gut mitzuteilen und wortgewandt auszudrücken, um mich verständlich zu machen.

Münze Deine Eigenschaften in der Hochsensibilität zu Stärken um!

Sich erklären

Diese Erkenntnis ist wirklich sehr wichtig! Erkläre Dich! Vergiss nie, dass keiner in Deinen Kopf gucken kann. Ich habe gelernt, wie befreiend es ist, für seine Situationen und Gefühle Worte zu finden und sie zu teilen. Es entkettet die eigene Seele und beim Reden beginnt man oft automatisch sich selbst zu begreifen. Meinem Gegenüber gebe ich damit die Möglichkeit, mich zu verstehen und das ist in jeder Beziehung unfassbar wertvoll, da ein falsches Verständnis schnell zu Schmerz und gemeinen Missverständnissen führen kann.
Wichtig dabei: Sich erklären heißt nicht, zu erwarten, dass der andere einen nachvollziehen muss. Das bleibt immer noch seine Entscheidung und liegt nicht in meiner Verantwortung. Es ist nur wichtig, überhaupt die Chance zu geben.

Aus Ruhezeiten Kraft schöpfen

Gerade als junger Mensch will man viel erleben. Rausgehen, Leute treffen, neue Bars ausprobieren, tanzen gehen. Es ist gemein, wenn die Hochsensibilität einem in die Quere kommt und man bemerkt, dass es besser wäre, sich mal wieder zurückzuziehen. Oft habe ich den Fehler gemacht, das als negativ anzusehen und war dann einfach nur unruhig und konnte aus dem nötigen Rückzug nichts schöpfen. Ich bin dabei, das zu ändern und die Ruhephasen, die ich mir nehmen muss, als Geschenk anzusehen und wirklich mal einen Gang runterzufahren.

Nicht an „verpassen“ denken

„Du hast echt was verpasst“ ist ein Satz, der mich in meiner Jugend häufig begegnet ist und ich habe ihn nie gemocht. Schon immer fand ich es furchtbar, wenn sich jemand nicht die Mühe gemacht hat, mir durch Erlebnisberichte die Möglichkeit zu geben, im Nachhinein Teil zu haben und mir stattdessen nur mitteilt, was ich falsch gemacht habe.
Und irgendwann habe ich die Erkenntnis erlangt, dass ich immer etwas verpasse. Wenn ich an Ort A bin, verpasse ich was an Ort B passiert und so weiter. Ich bin immer irgendwo nicht. Das heißt, etwas nicht zu verpassen beruht auf einer Entscheidung, die den Nachteil dessen entkräftigt. Ich will viel lieber den Moment leben, in dem ich stecke, als den Moment, den ich nicht lebe! Und wenn dieser an einem Samstag Abend im Bett ist und nicht auf dem Konzert, dann verpasse ich rein gar nichts, denn ich habe mich schließlich dafür entschieden.
Keine Frage, dass das mal besser und mal schlechter klappt 😉

Oasen suchen

Finde heraus, wo du gut auftanken kannst. Bei mir ist das zum Beispiel die Natur. Hier in Budapest ist es aber gar nicht so einfach Natur zu finden, denn überall brausen Autos vorbei und es riecht nach Abgasen. Zu Beginn war ich über diesen Fakt einfach nur traurig und habe mich nach zu Hause gesehnt. Aber hier sind wir wieder bei der Entscheidung: Dann musst Du Dir wohl eine Oase suchen. Und siehe da! Gleich um die Ecke verbirgt sich ein botanischer Garten, in dem fernab der Hauptstraße Bäume, Sträucher und Blumen vor sich hin leben. Perfekt um mal durchzuatmen. Finde Deine Oase!

Bewusst Freunde und Idole wählen

Klingt komisch, war für mich aber eine große Einsicht, die mir geholfen hat. Hier geht es nicht um „besser“ und „schlechter“ sein, sondern einfach um „passend“. Oft habe ich mich an Leute gehängt, die mir und meiner Persönlichkeit nicht gut taten, weil sie meine Sensibilität nicht teilten oder kein Verständnis dafür fanden. Somit war ich oft schneller unterwegs, als es mir mein Tempo erlaubte, was schlussendlich zu Überforderung führte.
Mittlerweile weiß ich einzuschätzen, ob ich in eine Freundschaft mit meinem Gegenüber investieren sollte oder ob wir zu unterschiedlich sind. Bei Bekanntschaften kann es natürlich immer bleiben! Jedoch ist in „nicht passende“ Charaktere investierte Zeit oft verloren und kraftraubend. Wenn möglich. ist es natürlich gut, eine Balance zu schaffen, nicht zu engstirnig zu denken und sich überraschen zu lassen.

Sich nicht verteidigen oder rechtfertigen

„Ich bin okay“. Eine der wichtigsten Erleuchtungen auf meiner Reise zu mir selbst. Auch wenn ich für andere oder sogar für mich selbst manchmal keinen Sinn ergebe: Ich bin okay. Ich darf so sein wie ich bin und so fühlen wie ich es tue. Ich darf mich zurückziehen und bin keinem eine Erklärung schuldig. Manchmal sind Dinge nunmal überfordernd und es fehlen die Worte, um es zu erklären. Das ist okay!
Wichtig dabei: Das Gegenüber nicht im Regen stehen lassen. Wenn erklären manchmal nicht geht, dann wenigstens informieren und wenn nötig zu einem späteren Zeitpunkt nochmal versuchen, Worte zu finden.

Auf Signale hören, auch wenn sie für andere seltsam erscheinen

Hin und wieder passiert es, dass ich schon den ganzen Morgen so ein seltsames Gefühl der Überforderung in mir habe. Weil aber Pflichten rufen, ignoriere ich es und kämpfe dagegen an. Oft verlasse ich dann auch in voller Montur das Haus, um Aufgaben nachzugehen. Nach ein paar Metern bleibe ich dann aber stehen und kehre wieder um: Ich entscheide mich doch, auf mein Gefühl zu hören. Das ist für mein Gegenüber erstmal seltsam. Für mich persönlich ist es aber das absolut richtige. Zuhause lege ich mich dann meist noch einmal hin, um eine Stunde später mit mehr Kraft den Tag zum zweiten Mal zu starten.

Dein Tempo finden

Ich schreibe hier so oft vom „eigenen Tempo“ und was ist das eigentlich? Es ist das Wertvollste, auf das Du zurückgreifen kannst. Dein Rhythmus, Deine Zeit. Ist man an Schule, Arbeit oder Studium gebunden kann man es oft nicht einhalten, aber hier und da ergeben sich Tage, an denen man endlich wieder alles in seinem Tempo machen kann. Bei mir heißt das oft alles ein bisschen langsamer anzugehen, es mir gemütlich zu machen und vielleicht auch mal einen Tag komplett ohne Menschen zu verbringen.

Hochsensibilität nicht als Ausrede hernehmen

Oft passiert es mir, dass ich meine hochsensible Persönlichkeit hernehme, um Events abzusagen, mal von der Uni daheimzubleiben oder schlecht drauf sein zu dürfen. Das ist gefährlich, denn es macht mich unglaubwürdig. Hochsensibilität ist oft ein Grund, aber keine Entschuldigung für ein Verhalten. Auch ich muss als hochsensible Person mal über meinen Schatten springen, mich durchbeißen und an Orten sein, an denen ich am liebsten nicht wäre. Nur weil ich überreizt bin, rechtfertigt das nie ein unfaires oder zickiges Verhalten! Es ist wichtig, zu lernen sich ehrlich zu reflektieren und ein „heute bleibe ich daheim“ als Joker einzusetzen, wenn es mal nicht anders geht.

0 Kommentare zu “10 Tipps und Tricks

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: